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Forum Index » Stadt am Rande der Welt
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Lykke Ratatoskr


Joined: May 1, 2025
Messages: 8
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Der Wind rüttelte an den schweren Holzbalken über dem Ratskeller, als wolle er selbst Einlass erzwingen. Draußen peitschte der Regen, doch in den dicken Mauern des alten Versammlungsraums flackerte nur träge das Feuer in der eisernen Schale. Der Tisch in der Mitte – grob gezimmert, die Oberfläche von Jahren des Streits und der Planung zerkratzt – war leer, bis auf Lykkes Hände, die darauf ruhten.

Ihre Fingergelenke waren noch immer blutverkrustet. Nicht alles davon war ihres. Der Weg aus der Hochlandburg war kurz gewesen – aber zu lang für manche, die zurückblieben.

Ein dumpfer Husten drang aus dem Nebenraum. Eirikur. Kein Aufschrei, aber auch kein Laut der Besserung. Lykke richtete sich auf. Ihre Augen lagen tief im Schatten ihrer Wangenknochen, doch ihre Stimme war klar, als sie sich an den Krieger wandte, der mit einer Fellschulter an der Tür stand.

„Brynjar. Du nimmst dat Nordross un ritt zu da Eiszapfenhalbinsel.“

Er nickte sofort, wartete auf mehr.

„Du wirst Aelia von dat Bärenclan finnen. Sag ihr, dat ik sie hier brauche. Nicht irgendwann. Jetzt. De Norden hat keen Schild mehr.“

Brynjar zog kurz die Brauen zusammen. „Und wenn sie fragt, wer ruft?“

Lykke trat näher, bis der Schatten des Feuers über ihr Gesicht tanzte. „Sag ihr, dat Lykke ruft. Tochter des Blutes, Zeugin des Falls der Hochlandburg.“ Eine Pause. Dann fügte sie mit leiser, fester Stimme hinzu: „Un dat ik ihr was anbieten kann – wenn sie bereit ist.“

Brynjar musterte sie. Für einen Moment war nur das Knacken des Holzes zu hören. „Und wenn sie es nicht ist?“

„Dann stirbt dat Volk de Unerschrockenen zwischen twee Wintern. Un keener wird mehr unseren Namen in de Wind schreien.“ Brynjar verneigte sich knapp, warf sich einen Mantel über und verschwand durch die schwere Tür hinaus in den Regen, der sich mittlerweile mit Schnee mischte.

Lykke blieb einen Moment stehen, blickte in die Flammen.
Dann drehte sie sich um – zurück zu Eirikur, zurück zur Schwärze, die sich zwischen Hoffnung und Untergang spannte.
Aelia

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Joined: Jun 21, 2015
Messages: 30
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Ein Bote wandert durch die Dörfer. Er führt eine Liste ist wohl der Schreibens mächtig. Er trägt ein Siegel mit sich, das des Bärenclans.
Er wird nach und nach folgende Worte an jedes Mitglied der Clangarden verlesen:

"Die Hochlandburg ist gefallen, Das Heer des Nordens ist gefallen.
Unser Volk ist fast ohne Schutz.

Aelia vom Bärenclan, ermächtigt durch die Hochlandburg, fordert eure Schilder und Äxte in dieser Stunde.
Wir sind die Unerschrockenen.
Wir holen uns die Hochlandburg wieder.
Wir bringen die Feinde zum Erzittern.
Wir sind die letzte Linie, die unsere Familien beschützt.

Nennt euren Namen, um dem neuen Heer des Nordens unter Aelias Führung zu dienen."

Lykke Ratatoskr


Joined: May 1, 2025
Messages: 8
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Es schien ein wenig so als konnte Godric in die ganze Situation ein wenig mehr Frieden bringen. Die Nächte blieben kurz auch wenn es sowohl Lykke als auch Eirikur etwas besser ging. Über ihnen Schwebte nachwievor der Tod bereit jenen mitzunehmen der ihn begrüßt wie einen alten Freund.
Godric

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Joined: Jun 9, 2017
Messages: 12
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Tage und Nächte wechselten. Launisch war der Iuachar, doch an eben jenem Tag, war der Nebel schon früh am Tag einem klaren Himmel und der Sonne gewichen.
Es kam eine Gruppe Waldläufer in der Stadt am Rande der Welt an. Sie marschierten im Halbkreis hinter Godric. Schaulustige, Kinder, waren am Rande des Wegs, als sie in einer langsamen Prozession bei der Ratshalle ankamen. So ein Spektakel war selten. 2 Männer und eine Frau gingen mit einer Trage aus zwei starken Holzbalken und einen festen Seilgeflecht in den Ratskeller während der Rest der Truppe inklusive Godric vor der Tür warteten. Sie wechselten Worte mit Lykke, die darüber wohl eher gemischte Gefühle hatte.

Nach einer halben Stunde war der Abtransport im Gange. Eirikur lag auf der Barre und wurde getragen. Lykke hatte ihren Kopf über ihn gebeugt, er schien zu reden, doch von den Schaulustigen konnte niemand etwas verstehen. Godric stand am Rande der Szene und wühlte in seinem Bart. Auf Befehl von ihm nahm die Prozession eine Formation ein und begann sich wieder in Bewegung zu setzen. Zurück blieb Lykke. Der entschlossene Blick Godrics nahm so manchen Nordländer auf dem Weg Richtung Hain ein. Ohne Zweifel: Man brachte Eirikur, den Clanältesten, verletzt und auf einer Barre liegend, kränklich und geschwächt, durch das komplette Dorf in den Hain. Die Menschen raunten sich Worte zu. Es war an diesem Tag, als ihnen gewahr wurde, dass nun die Anführerin des Bärenclans die Macht in ihren Händen bündelte.

Und eben jene erhielt noch am Tage dieses Abtransports von Godric eine mündliche Nachricht, die von einem der Kinder vorgetragen wurde, das die Prozession angesehen hatte. Er hatte das Blatt einer Eiche an seinen Wams und erhielt mit Verweis darauf vortritt im Langhaus des Bärenclans. Er wird das folgende sagen:
"Ey soll dir vom Godric dem Druiden sagen, dass Eirikur so krank is, dass er ihn innen Hain mitgenommen hat. Nur die Macht im Hain is stark genug, sagt er, dass de Eirikur geheilt wird. Wenn Zeit findest, red mit sei Tochter."

Lykke Ratatoskr


Joined: May 1, 2025
Messages: 8
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Einige Tage verstrichen und Lykke, die wieder geplagt von Albträume kaum schlafen konnte und unaussprechliche Gedanken hatte, lief durch das Dorf von früh bis ganz spät versuchte die Bürger zu beruhigen. "Erikur wird zurück kommen. Godric wird dat packen." Fragen zu sich selbst umging sie. Gerüchten widersprach sie vehement. "Wenn de allet schwarz sehn willst tu dat, doch bringt dich dat net weiter. Kümmer dich mal drum dat dein Laden läuft und deine Kinder wat zu essen haben." Sie wurde teilweise regelrecht belagert, als rauskam wer sie ist. Dieser Umstand trieb sie in noch größere Unruhe und sie machte sich auf um mit Aelia zu sprechen.
Aelia

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Joined: Jun 21, 2015
Messages: 30
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An die Wachmannschaft der Stadt am Rande der Welt ergeht folgende Order, die mit der Bärenkralle aus Asche auf Leder gesiegelt ist.

An die Befehlshabenden der Wolfswacht,
gemäß Ratsbeschluss und unter meinem Banner:

Die angekündigten Sprengungen sind unverzüglich durchzuführen.

Ziel ist die dauerhafte Unpassierbarkeit folgender Routen:

- Der westliche Pass zur Wolfsstadt
- Der nördliche Pfad entlang des alten Friedhofs

Ihr kennt die Standorte. Ihr kennt das Verfahren.
Sichert den Rückzug. Legt die Zündfolgen wie besprochen. Keine Verzögerung.

Dies ist ein taktischer Schritt. Wer fragt, warum wir Wege verschütten, soll wissen: Wir entscheiden, wo der Feind marschieren darf.

Meldung nach Abschluss.

Für das Land. Für den Norden.

Aelia vom Bärenclan
Ratsführerin der Nordlande

Sir Said

Staff Elantharil

Joined: Dec 14, 2014
Messages: 335
Location: Technik
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Der Schnee lag schwer auf den Pfaden, als die Männer des Wolfsclans sich an die vorbereiteten Stellen begaben. Sie waren nur viele Atemwolken im schwachen Frost und das Knirschen ihrer Stiefel auf vereistem Gestein.

Der erste Trupp, drei Männer mit dunklen Wolfsmasken, erreichte den westlichen Pass zur Wolfsstadt bei Morgengrauen. Die Sonne war nicht mehr als ein matter Schein hinter den Wolken, als sie die Flaschen an den Felsspalten setzten. Rotviolette Flüssigkeit, verkorkt, wurde in vorbereitete Ritzen geschoben - der Abstand war wichtig für die Kettenreaktion.

Keiner sprach. Die Arbeit war bekannt, geübt, notwendig. Und... nunja, vorsichtig sollte man auch sein.

Ein kurzer Pfiff, dann Stille.

Der Fels donnerte. Es war nichts am Bersten, sondern ein führte zu einem tiefen Grollen, als würde der Berg selbst seufzen. Dann stürzten die Massen – eine kontrollierte Lawine aus Stein, Erde und Schnee. Der Pass war verschlossen. Endgültig.

Der zweite Trupp arbeitete zeitgleich am Pfad vom alten Friedhof. Hier war der Schnee tiefer, die Bäume schwer beladen vom Schnee und schief wie vergessene Grabwächter. Auch hier: präzise Sprengpunkte, gezielte Ladung, minimale Verzögerung.

Die Felswand löste sich mit kalter Eleganz, wie ein Messer, das durch altes Fleisch glitt. Der Zugang war binnen Sekunden unter Tonnen von Schutt begraben.

Die Männer schwiegen.

Doch einer, der letzte, ein älter Wachmann namens Gjafvaldr, blieb einen Moment länger stehen. Er blickte in den Nebel aus Schnee und Gestöber, der sich langsam in die Bresche legte, als hätte der Berg selbst einen Vorhang gezogen. Seine grausträhnigen Brauen zogen sich über seinen Augen zusammen und die Stirn bildete Furchen.

Etwas war da.

Geräuschlos. Ohne Schatten.

Aber das Gefühl, dass etwas blickte... nicht aus der Höhe, sondern von unten. Von dort, wo nun Fels und Frost lagen.

Gjafvaldr sog scharf die Luft ein, aber sagte nichts.

Er zog die Maske tiefer ins Gesicht und ging.

Hinter ihm senkte sich der Nebel.
Und etwas im Wind lauschte.
Lykke Ratatoskr


Joined: May 1, 2025
Messages: 8
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Lykke wandert über Eis und Schnee. Es knirscht und knackst. In einiger Entfernung hörte man Rufe und Schreie. Kein Kampf eher Klagen und Jammern. Auf den Weg dorthin rutschte sie mehrfach aus. Die einstige Straße gab es nicht mehr, doch der Weg ist nach wie vor attraktiv im Angesicht der Beute die einen erwarten kann. "Helft uns!" Lykke rutschte ein Stück eine Schräge runter, um zu dem Plateau zu gelangen wo die beiden Männer waren. Einer lag mit einer dürftig verbundenen Wunde, die trotzdem noch blutete. Der andere drückte drauf um die Blutung zu minimieren. Sie nickte, beurteilte in zwei Blicken was zu tun war. Ihre Handgriffe waren geübt und so die Blutung schnell gestillt. Lykke wollte dafür nichts, half ihm auf und begleitete die beiden Männer wieder zurück ins Dorf.
Lykke Ratatoskr


Joined: May 1, 2025
Messages: 8
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Es war eine weite schneebedeckte Wildnis im Norden. Eine große, raue Höhle bot Schutz vor dem frostigen Wind, am Feuer knisterte Holz, und die Bewohner wärmten sich, während draußen der Schnee den Boden bedeckte. Hunger, Knappheit und eine Art von Krieg herrschten in jeder Ecke des Lebens und doch hielten sie zusammen.
Lykke lauschte den aufgewühlten Gesprächen um das Feuer, sie waren hitzig und oft ziellos.

„Meine Familie leidet Hunger!“
„Yo, wir auch!“
Die Menge stimmte ein. Jemand behauptete scharf: „Aelia interessiert sich kein bisschen für uns!“ Lykke rutschte auf ihrem Platz hin und her, unruhig, bis eine Stimme der Menge abermals über Aelia und ihren Vater herzog.

Lykke atmete durch und sprach mit ruhiger, klarer Stimme: „Aelia spricht fürn Eirikur. Sie zu hinterfragen bedeutet, ihn zu hinterfragen. Ich steh hinter sein Entscheidungen. Ich werde euch bei euren Problemen in deeren Namen helfen.“ Sie erklärte den Anwesenden, wie man Brot herstellt, das mehr Nährstoffe enthält und mit weniger Mehl auskommt, gab Rezepte für gestreckte Suppen und andere Gerichte weiter. Sie teilte Wissen über Heilpflanzen, essbare Pilze und Waldfrüchte. Einige Bewohner brachten im Gespräch eigene Ideen ein und teilten ihr Wissen solange, bis sich viele verabschiedeten und nur noch wenige am Feuer waren.

Für Lykke war dies ein Erfolg, doch neue Gespräche des Unmuts begannen. „Eirikur wird net zurückkomm un Aelia hat dieses Pack von Eisläufern och net zurückgedrängt. Sie verhandelt mit den, ne?“ „Also ik will diese Verbrecher nich in der Nähe haben.“
Jemand den Lykke nicht kannte drehte sich zu ihr um: „Wer bist du eigentlich?“ „Lykke.“ „Das sagt wenig.“ Ein anderer aber verzog die Miene, als hätte er eine Ahnung. „Lykke Ratatoskr. Oberste Heilerin inner Burg unsrem Anführer direkt unterjehstellt.“ Die Anwesenden sahen sich an, als hätten sie nun Verstanden.
„Die einzije Überlebende neben unsrem Eirikur.“ Mischte sich ein anderer ein. Lykke schluckte.
„Kann man ihn als lebend zählen? Ich hab gehört, wie er abtransportiert wurde von Godric. Klang, als sei er tot.“
„Er lebt!“ platzte es aus ihr heraus. Alle drehten sich schlagartig zu ihr um.
„Äh …“ Sie sammelte Mut und erzählte, wie sie und Eirikur aus der Burg entkamen. „… un fiel mir Blut überströmt in meen Arme. Er war kalt un Eiskristalle in der Wunde …“ Über Adelis wollte sie nicht zu viel sagen, doch ihre Atmung wurde schneller, nur an dieses Wesen zu denken lies sie die Kälte und die Angst von jenem Tag erneut am ganzen Körper spüren.
„… Die Rune in sein Hand brachte Vater un mich innen Ratskeller.“ Da war das Wort. Unbemerkt hatte sie es gesagt, tonlos, wie immer bedacht.

Die Reaktionen folgten verzögert. „Du bist seine Tochter?!“ Kälte zog durch den Raum. Hier im Bärendorf suchte sie Ruhe. Sie hoffte hier Godric schneller zu treffen. Doch in diesem Moment brach all die Hoffnungen auf Ruhe.
 
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