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Vor jedem Stich RSS feed
Forum Index » Stadt des Glanzes
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Clementine Rockstroh


Joined: Jun 24, 2024
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„Tauch vor jeden Stich die Nadel in das hier.“ War ein Satz aus vergangenen Tagen er hallte wie ein Echo im leeren Raum.
Einige Wochen war sie schon wieder am Hof, aber Luna war nicht zu sehen. Sie fütterte die Tiere und pflegte die Bäume vergaß fast völlig , dass sie inzwischen ein eigenes Handwerk hatte dem sie nach gehen sollte. Die Aufträge waren schon in weite ferne gerückt und erst als sie sich einen Knoten machen wollte, wann sie erneut ernten könnte sah sie die vielen Knoten. Selbst diesen einen hatte sie bereits verdrängt und betrachtete einen grünen Faden. An dem Abend hatte sie alles in ihre Schublade geräumt, sie zu gemacht und alles vergessen. Nun lag sie da gefühlt eine Ewigkeit die Fäden anstarrend und abwechselnd mal zur Decke blickend. „Was bedeutet dieser Knoten?“ Sie rieb ihn, streichelte ihn und bat ihn darum mit ihr zu reden, doch er blieb stumm. Mit dem Stock auf ihrem Kopf schlief sie ein. Mitten in der Nacht als sie etwas wach wurde um sich umzudrehen, fiel der Stock auf den Boden mit einem lauten tock. Sie schrak auf und sah sich im dunklen Zimmer um. Auf dem Schubladenschrank stand eine Phiole dessen Inhalt leicht schimmerte. Sie nahm sie in die Hand und tauchte eine ihrer vielen Nadel hinein. Ein einzelner Tropfen blieb an der Spitze hängen. Mit einem streif am Rand der Phiole rann der Tropfen zurück. Das machte Clementine ein paar mal. Ein „Ah“ durchbrach die Stille, gefolgt von einem „jetzt weiss ich es wieder.“ Auf dem Boden bereitete sie einen leicht gräulichen, leicht noch klebrigen und besonders duftenden Stoff aus. Sie übertrug ein paar Werte auf den Stoff und kramte eine dunkle Schere aus ihrer Tasche. Das entfachte Kerzenlicht flackerte immer wieder etwas und wurde nach und nach von der langsam aufgehenden Sonne abgelöst. Um sie herum lagen wild zusammengenähte Stoffreste und Fäden, die teilweise schimmerten. Sie wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn. „Hm.“ Sie betrachtete ein aus Stückchen zusammengesetztes Puppen großes Kleidchen, vernähte das letzte Stück vom Faden und hielt es ins Licht. Der Stoff war überhaupt nicht mehr so klebrig und fühlte sich sehr weich an. Die Nähte betrachtete sie genau jedes Mal hatte sie bisher aus Gewohnheit vergessen mindestens einmal die Nadel einzutauchen, aber diesmal … diesmal nicht. Der zugeschnittene Stoff lag immer noch unangetastet da. Sie stand auf streckte sich und verschwand in den weiten des Hofes. Gegen Mittag kam sie zurück sah auf den Stoff und legte sich für einen Mittagsschlaf ins Bett. Auf der Seite liegend die Augen aufschlagend war das erste was sie sah die halb volle Phiole. Dann glitt sie aus dem Bett und suchte nach der anderen, die er ihr mal gegeben hatte. „Irgendwo muss sie sein.“ Gefunden! Jetzt aber begann sie und sie nahm sich Zeit und die brauchte sie auch. Es dauerte viel länger als für gewöhnlich. Mehrere Tage setzte sie sich dran und ungefähr am 5. Tag konnte man erahnen was es werden sollte. Fertig war sie noch immer nicht. Immer wieder kontrollierte sie jeden Naht Abschnitt und wenn sie auf dem Stück einmal das eintauchen vergessen hatte trennte sie den ganzen Faden raus und machte es nochmal. Vielleicht ginge es auch nur ein Teilstück raus zu nehmen, aber die Knoten auf halber Strecke könnten auf der Haut reiben und sähen nicht so schön aus. „Bald fertig.“ Und so wurde „vor jeden Stich.“ Zu einem Mantra was sich eingebrannt hatte.
Clementine Rockstroh


Joined: Jun 24, 2024
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Ein Kleid aus Brokat für eine Adlige, die im Rat sitzt.
Kaum hatte sie die Arbeiten für die Klinge des Kaisers beendet und zusammengelegt in der Truhe hinterlassen, zog es sie in die Stadt. Ein sehr freundlicher Mann zeigte ihr viele Häuser und Zukunftsmusik machte sich in ihrem Herzen breit. Auch wenn sie seinen Namen schon wieder vergessen hatte und ihn auch nicht notiert hatte, konnte sie sich gut an die Häuser erinnern. „Ich sollte mit Luna darüber sprechen, vielleicht hat sie eine ganz andere Idee.“ An Lunas Hofe eingekehrt und sich breit gemacht mit Goldfäden und Stoffen hatte sie nur ihren neuen Auftrag im Kopf. Der Anfang wollte ihr jedoch nicht gelingen. „Ich brauche meine Modelle von Luna zurück.“ Wieder bemühte sie sich die Arbeit am Hof nicht zu vernachlässigen. In ihr Zimmer konnte sie derzeit nicht wirklich einen Zentimeter weit gehen. Alles auf dem Boden und Wänden war voll mit bemalten Papier und Stoffhaufen. Der weg zur Tür war zumindest soweit frei. „So komme ich nicht weiter ich muss damit bald anfangen, man sollte eine adelige Dame nicht warten lassen. Mein Meister wird sicherlich über so ein Meisterstück erfreut sein. Wenn der Mann mit dem großen Haus mir vielleicht schonmal den möglichen Schmuck zeigen könnte… ja. Ein Anfang!“ Die Zeichnungen stapelnd und die Stoffberge, die Trotz allem zusammengelegte Türme waren, packte sie zusammen. Luna konnte so das Zimmer bei bedarf jemanden zur Nacht anbieten. Sie wollte diesen Auftrag so schnell sie konnte beenden.
Clementine Rockstroh


Joined: Jun 24, 2024
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Ihr Kopf tat höllisch weh. Was hatte sie gestern gemacht?
Nach Dengra wollte sie, um Seide zu kaufen bei dem Mann mit dem großen Haus.
Einiges konnte sie nicht verstehen, was passiert war.

Das Haus in Dengra, in dem sie untergebracht war, glänzte und war von oben nach unten geputzt und sauber gemacht.

In der Kiste befand sich das Kleid für die Kaiserliche.
Wie kam es da hin? Wann kam es da hin?
Besser gesagt, wann hatte sie es beendet?
Gestern war es noch nicht ganz fertig, oder?

Ihr fiel es viel schwerer als sonst, sich an irgendetwas zu erinnern.
Ihre Fäden ware waren voll neuer Knoten und in einem der dunklen Fäden war einer der von ihr für „blau“ verwendet wird, doch erklären konnte sie es sich nicht. Was das bedeutet auch nicht.

Obwohl sie gerade erst wach geworden war, wollte sie weiterschlafen.
Bis die Augen zugingen, starrte sie vorzugsweise eigentlich nur an die Wand und ihre Fäden.

Dass sie Ohrringe besaß, stellte sie erst einige Tage später bei Luna fest.
Clementine Rockstroh


Joined: Jun 24, 2024
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Ein leises Kratzen erfüllt den Raum, denn die Feder reibt über das Papier. Clementine sitzt auf dem Boden, wie so oft. Ein wunderschönes Kleid aus Brokat mit kleinen und großen Sternen bestickt liegt vor ihr ausgebreitet, sorgfältig geglättet und schimmernd. Neben ihr liegen viele Skizzen. Eigentlich sieht es hier aus wie immer, wenn sie an etwas arbeitet und doch bewegt sie sich nicht und starrt nur immer wieder zum Kleid und den Skizzen so wie Farbtupfern auf den anderen Papieren. Einige zeigen feine Stickmuster oder grobe Linien. Ein kleiner Stapel mit Papier unter einem Stein liegt ganz abseits, sie beachtet diesen ganicht. Sie hebt eine der Zeichnungen an, ein bestimmtes Muster ist darauf, hält sie neben den Stoff.
„…passt nicht wie ich es mir denke…“
Murmelt sie grimmig, die Stirn in falten gelegt, wartet sie ab ob doch noch mehr an Gedanken folgt. Ihre Finger streichen über die Nähte des fertigen Kleides. Sie merkt, dass dies wohl ihre bisher besten Nähte sind, also liegt es nicht an unsauberkeit oder ungenauem Arbeiten. Auch Lob hatte sie bereits bekommen.
„Herr Seon sprach doch von mehr… das man im ganzen denkt und darüber hinaus.“
Ihr Blick haftet wieder auf der Skizze, zu sehen war ein Wappenzeichen.
„…die Handschuhe sind klar.“
Sieht sie sich an ihre Skizze und die fertigen. Am Saum ziehet das Zeichen der Familie wie eine Bordüre rundrum die Handschuhe und auf den Handrücken ist in blaueingefärbten Seidenfäden ebenfalls das Symbol, größer, erhabener und dominierend. Es waren Zeichnungen von Schmuck überall an die Stellen gelegt, wo der Schmuck zu tragen wäre. Da wo die Arme wären lag die Zeichnung eines Armreifs mit kleinen besetzten blauen Steinen. Eine aufwendige Kette da wonder Hals wäre, der Blick genau freigelegt auf diese und hier lag das eine Problem. Clementine empfand dies als zu offen, solch ein schönes Schmuckstück sollte nicht einfach zu erblicken sein, etwas sollte den Blick etwas bedecken es mehr verspielt und doch erhaben wirken lassen. Alles vor ihr war durchdacht. Alles geplant, doch…gedankenverloren kitzelte sie wieder. Legte das Pergament auf den Ausschnitt, die Kette schnitt sie mit ihrer Schere aus und diese wurde drauf gelegt. Clementine zog die Beine an sich, legte das Kinn darauf, blickte auf das was sie nun sah.
„…für jemanden aus’m Rat…“
Ihre Stirn legt sich in Falten, leise atmet sie frustriert aus. Schließlich Nickte sie. Kramt alles zusammen was sie braucht, räumt ihren Platz frei und beginnt ein ganz neues Kleid zu gestalten, an diesem Abend noch nur auf Papier…

Clementine Rockstroh


Joined: Jun 24, 2024
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Clementine kommt aus Leon Seons Turm, sie verpackt gerade blau gefärbten Stoff, fein gefaltet und in der Abendsonne glitzernd. Der Schmuck den sie gerade abgeholt hatte ist schon verstaut. Eine alte Frau kam aus Richtung des zentralen Feuers in Denrga, sieht Tine und bleibt neugierig stehen, als Tine im runtergehen der Treppe ihr Päckchen verpackt. Sie spricht die junge Schneiderin ganz freundlich an. „Kind was ist dies glitzern dort? Es sieht so besonders aus.“ Tine hält unweigerlich das nun fertig geschnürte Päckchen fester und wirkt ängstlich und schüchtern. "Wieso wollt ihr dies wissen?" Die alte Frau bleibt mit ihrem Korb stehen. Ihre Kleidung ist schlicht, von den Jahren im Schlamm gezeichnet und ihr Haar ist unter einem Tuch verborgen. Sie hebt beschwichtigend eine Hand ein wenig. „Oh... entschuldigt, Kind. Ich wollte Euch nicht erschrecken.“ Sie lächelt warm zu Tine empor. „Ihr habt das eben so vorsichtig eingewickelt... als wäre darin etwas Zerbrechlicheres als Glas.“ Sie nickt zu dem Bündel in Clementines Armen. „Keine Sorge. Ich will Euch nicht erschrecken. Ich bin nur neugierig. Habt Ihr das selbst gefertigt?“ Ein zögerliches Nicken kommt von dem Mädchen und wird begleitet von dem Satz: „Ja, aber es hat bereits einen gut betuchten Besitzer.“ Mit leicht abweisenden Ton. Die alte Frau nickt langsam und macht keinen Schritt näher. „Dann braucht Ihr Euch keine Sorgen zu machen. Ich wollte Euch nichts nehmen.“ Ihr Blick bleibt kurz auf dem Bündel liegen. „Es muss Euch viel bedeuten... oder es war sehr viel Arbeit.“ Ein warmes Schmunzeln legt sich auf ihr Gesicht. „War es schwer, so etwas anzufertigen?“ Immer noch zögerlich und unsicher, änderte sich Clementines Mimik, sie wirkt aufgeschlossener. „Ja, eine Herausforderung! Aber so sollte das für ein Meisterwerk auch sein. Oder?“ Die alte Frau lächelt nun etwas breiter. „Das denke ich schon.“ Sie mustert Clementine einen Moment. „Ein Meisterwerk soll einen Meister schließlich fordern.“ Die alten Augen wandern wieder zu dem sorgsam verschnürten Paket. „Wenn es leicht gewesen wäre, hätte wohl jeder es nähen können. Ist es denn für Eure Meisterprüfung bestimmt?“ Das Nicken kommt prompt. „Ich will mir damit den Meistertitel holen. Immerhin habe ich nun so lange daran gesessen und praktisch komplett von null angefangen... nun gut fast.“ Tine lächelt wenn auch zögerlich. Die alte Frau nickt. „Dann wünsche ich Euch, dass Euer Lehrmeister darin genau das erkennt.“ Sie lächelt Tine wieder warm an. „Es erfordert Mut, noch einmal von vorn zu beginnen.“ Sie sieht kurz nachdenklich zum Turm hinauf. „Hat Euer Lehrmeister Euch dazu geraten?“ Clementine kommt endlich die letzten Stufen runter und folgt dem Blickt nochmal zum Turm hoch. „Naja, also wenn ich das jetzt beginnen Ihnen zu erläutern wie es dazu kam... würde ich mich schon gerne hinsetzen... wo müssen Sie denn entlang? Vielleicht kann ich mich kurz fassen ich möchte Ihnen auch nicht zur Last fallen.“ Umarmt das Bündel mit dem Kleid nun wie einen Teddy. Die alte Frau wirkt überrascht. „Zur Last? Ach Kind... ich habe heute nur Brot geholt.“ Sie hebt den Korb ein kleines Stück. „Und das läuft mir nicht davon.“ Sie deutet in Richtung der kleinen Kapelle. „Ich wollte ohnehin dort vorbei. Die Beine danken mir jede Bank, die sich anbietet. Wenn Ihr mögt, erzählt Ihr mir einfach, worauf Ihr selbst am meisten stolz seid. Das genügt einer alten Frau wie mir vollkommen.“ „Ja gerne!“ Sie gehen gemeinsam in die Kapelle. Auf dem Weg dahin beginnt Tine breit zu lächeln und erzählt wie sie das erste Kleid anfertigte und nach einem Gespräch mit ihrem Lehrmeister und Herr Seon es doch wieder verworfen hatte. Sie erzählte auch davon wie sie das neue Kleid ausgearbeitet hatte, die Details plante. „Oh und dann wusste ich ja von Anfang an, dass sie einen bestimmten Armreif trug. Ich wollte also dass der weitere Schmuck dazu passt. So kam ich darauf dass der Schmuck in Gesamtheit den Mond symbolisiert. Das blau ist der Himmel und die kleinen Stickereien... seht.“ Tine zeigt einen Teil des Kleides in der sonst leeren Kapelle. „Das ist das Symbol vom Hause Antares. Ja, seht wie fein und klein bis groß die Symbole sind? Es soll die großen und kleinen Sterne am Himmel Symbolisieren und dass sie in diesen Streifen angeordnet sind...“ Liebevoll fährt sie mit den Fingerspitzen drüber. „…es ist wie das Band am Himmel oben. Es sind so also Mond und Sterne am Himmel.“ Nun schmunzelt sie. „Und dieser Ausschnitt am Dekolleté war wie gemacht für etwas das jeden Blick fängt. Daraus wuchs die idee für den Kragen und…“ Zeigt ihr die aufwendige Kette. „Sie dient zusammen mit dem hellen Kragen für noch einen Effekt...“ Sie holt das Kleid ganz heraus. Man sieht die gleichmäßigen goldenen Streifen und Stickereien die sich über Rock und Korsage ziehen. Tine stellt sich auf eine Bank. Hebt das Kleid so hoch das der Rock ausgefaltet fällt und die Korsage dran zur älteren Frau abstehend ragt. „Da seht ihr den Kragen? Wie er von oben einen Halbkreis bildet? Hier die Kette.“ Sie hat mühen diese auch in der richtigen Position zu halten. Aber die Illusion eines geschlossenen Kreises kann die ältere Dame erkennen. „Die versteckte Sonne die man nur von oben sieht, wenn die Dame sich dann in diesem Kleide beim Tanzen dreht, kann man sie erkennen?“ Die Frage ist mit einem unsicheren Ton gestellt. Die alte Frau hebt unwillkürlich den Blick, als würde sie sich vorstellen, selbst auf einer Empore zu stehen. „Bei Avia...“ Voller Staunen. „Von hier unten sieht man den Nachthimmel.“ Ihr Blick folgt der Kette. „Und von oben... die Sonne.“ Sie schüttelt langsam den Kopf. „Dann ist das Kleid gar nicht nur zum Anschauen gemacht. Es verändert sich... je nachdem, wo der Betrachter steht.“ Sie sieht Clementine an. „Wie seid Ihr nur auf so etwas gekommen?“ Total glücklich und rot angelaufen beginnt Clementine langsam, nun nicht mehr im schnellsten Tempo zu sprechen. „Mich erinnert das Symbol Antares an einen Stern... ich schlief einige Nächte über meinen Skizzen und im Halbschlaf kam es mir so vor. Dann war mir das blau schon lange bewusst. So führte eins zum anderen. Und nun trägt es den Namen „Nachthimmel“. Und nur für den Blickenden von oben, in diesem einen Moment wird klar, dass es auch die Sonne ist. Was denkt ihr dazu?“ Die alte Frau schweigt einen Moment, dann nickt sie langsam. „Ich glaube...“ Sie sucht kurz nach Worten. „...dass ich so etwas noch nie gesehen habe. Viele Menschen nähen schöne Kleider… Aber Ihr habt etwas genäht, das eine Geschichte erzählt. Manche Gedanken wachsen leise. Bis sie irgendwann einfach da sind.“ Beendet sie und Clementine springt von der Bank und verpackt alles wieder ganz genau wie zuvor. „äm,...“ Sie sieht nun nachdenklich aus. „Ich bin mir nicht sicher. Die Vorstellung mit dem Himmel hatte ich teilweise schon im ersten Kleid... nun ja... hm ich weiss nicht. Ich habe so viel ausprobiert und getestet. Immer sagte irgendwas, ja so und ja dies... fast wie von selbst.“ Die alte Frau beobachtet, wie Clementine jede Lage Stoff wieder sorgsam ordnet. „Vielleicht ist das bei guter Handwerkskunst einfach so. Man denkt, man hätte nur einen Faden aufgenommen und am Ende merkt man, dass er schon die ganze Zeit zu einem Muster gehörte.“ „Oh.“ Kommt als Antwort von dem Mädchen und wird etwas rot im Gesicht. „Daran ist mein Lehrmeister... Schuld wisst ihr er hat mich ermutigt mein bestes zu geben. Ich muss nun auch weiter, geht ihr dort entlang?“ deutet nach Nordost. „Ich trage euch den Korb.“ Die alte Frau muss leise lachen über die Art, wie sie plötzlich rot anläuft. „Dann scheint Euer Lehrmeister ein guter Meister zu sein.“ Sie hebt den Korb ein kleines Stück an, als Tine ihn nehmen möchte und reicht ihn ihr. „Wenn jemand Euch dazu bringt, etwas Gutes noch einmal ganz neu zu beginnen... dann glaubt er wohl mehr an Euch als Ihr selbst und hat euer Talent erkannt.“ Sie gehen langsam aus der Kapelle hinaus. Die alte Frau stützt sich dabei leicht mit der freien Hand an der Mauer ab. „Ja, dort entlang. Danke Euch.“ Nach einigen Schritten schaut sie zu Tine hinauf. „Kind... ich bin froh, dass ich Euch angesprochen habe.“ Ein warmes Lächeln legt sich auf ihr Gesicht. „Als ich Euch eben vor Meister Seons Turm sah, dachte ich, Ihr tragt einfach eines seiner… schönen Kleider spazieren. Jetzt weiß ich was ihr in den Armen gehalten habt. Ich hoffe, die Dame, die es tragen wird, erkennt wenigstens einen Teil davon.“

Als beide sich schon länger getrennt haben und Tine bereits über neuen Skizzen sitzt, die Meister Magnus ihr mitgegeben hatte. Fiel ihr ein... "Ach ja,… dann sind ja auch noch die Handschuhe mit der blau und goldenen Stickerei… die die Dame, dann auch zu anderen Anlässen tragen kann. ... und die Schuhe nur woher nehme ich so viel Schwarzes Leder? Hmmm was wenn sie doch keine Sandalen mag, die der edle von Blum ihr erwählte? Ambesten stelle ich dazu ein Paar Fragen. " Die kleine Kammer war längst still geworden. Nur das Kratzen der Kohle auf dem Papier war noch eine Weile zu hören gewesen, bis auch das verstummte… erneut war sie über ihren Skizzen eingeschlafen. Vor Clementine lagen Magnus' Skizzen, daneben ihre eigenen Entwürfe. Manche waren fein ausgearbeitet, andere nur hastige Linien mit kleinen Symbolen am Rand.

 
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